WebGIS zur Stadtgrünversorgung in Deutschland erschienen

21.09.2020
 
WebGIS Stadtgrün Urheberrecht: © fina

Das ILS Geomonitoring (geleitet von der Professur Analyse und Monitoring urbaner Räume der RWTH Aachen) schaut kritisch auf die Entwicklung von Grünflächen in deutschen Großstädten

Am 8. September berichteten Medien über die Zahl der Woche des Statistischen Bundesamtes: Im Jahr 2018 standen Bewohnerinnen und Bewohnern deutscher Metropolen im Schnitt 25 Quadratmeter Grünanlagen pro Kopf zur Verfügung, 7 Quadratmeter mehr als 1996. In kleineren Städten ist die Entwicklung ähnlich positiv. Werden Großstädte in Deutschland also tatsächlich immer grüner?

Grünanlagen und Parks aus der Nutzerperspektive

Aus der Perspektive von Erholungssuchenden stellen sich in diesem Zusammenhang kritische Fragen des tatsächlichen Zugangs zu Grünanlagen: Nutzungen wie Kleingärten oder Anlagen mit Öffnungszeiten und Eintrittskosten sind nicht für alle zugänglich. Bauliche Nachverdichtungen im Bestand führen zu einer Übernutzung von Grünanlagen in den Innenstädten und Konflikten zwischen Nutzergruppen. Diese Entwicklungen bleiben verborgen, wenn gleichzeitig Siedlungserweiterungen am Stadtrand mit überdurchschnittlicher Grünausstattung die Werte nach oben treiben. Die Berechnungen des Statistischen Bundesamtes geben somit lediglich die mittleren Werte im administrativen Gesamtgebiet einer Kommune wieder.

Neue WebGIS-Anwendung zur Grünversorgung in deutschen Städten

An dieser Stelle helfen Analysen aus dem Geomonitoring des ILS - Institut für Landes und Stadtentwicklungsforschung gGmbH (geleitet von der Professur Analyse und Monitoring der RWTH Aachen), die Grünraumversorgung differenzierter zu betrachten. In einer neuen WebGIS-Anwendung werden für alle Städte in Deutschland öffentlich zugängliche Grünanlagen und Parks den Einwohnerinnen und Einwohnern im tatsächlich besiedelten Raum gegenübergestellt. Wir kommen so für Großstädte auf eine durchschnittliche Versorgung von lediglich 13,1 Quadratmetern pro Person. Die Anwendung zeigt in dieser Hinsicht die räumlichen Zusammenhänge der Grünversorgung auch im Hinblick auf Erholungspotenziale wie Wäldern, die nicht als Grünanlagen und Parks in die Statistik einfließen.

Grünversorgung in Zeiten von Klimaanpassung und Corona

Die aktuellen Auswertungen des ILS zeigen durchaus Defizite in der Grünraumversorgung, vornehmlich in hoch verdichteten Wohnlagen unter Siedlungsdruck. Überproportional betroffen sind schlechter gestellte soziale Schichten, die sich ein vergleichsweise spärliches Angebot an Grünanlagen und Parks mit einer steigenden Anzahl an Nutzern teilen. Im Hinblick auf aktuelle Herausforderungen wie der Klimaanpassung und einer gesundheitsfördernden Stadtentwicklung kommt Grünanlagen und Parks künftig eine steigende Bedeutung zu. Der in der Corona-Krise erlebte Bedeutungszuwachs von Grünanlagen als „verlängertes Wohnzimmer“ für außerhäusliche Aktivitäten unterstreicht diesen Aspekt.

Die Forschung aus dem ILS Geomonitoring bietet konzeptionelle Ansätze und erste Ergebnisse für ein bundesweites Monitoring der Grünausstattung. Weitere Informationen finden sich in den Texten der WebGIS-Anwendung. Ausführliche Publikationen zum Thema sind in Vorbereitung.

Nutzerhinweis WebGIS-Anwendung: Mit einem Klick auf Ihre Stadt bekommen Sie die Versorgungsquoten in Grün pro Einwohner angezeigt.